Mühlen-Blog

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Jetzt auch Winter-Bio-Gemüse!

Gemüsegarten

Kalt und nass ist es. Von goldenem Oktober keine Spur. Das ist für uns alle ein bisschen schade. Und definitiv zu früh. Doch es ist so. Und erinnert uns daran, dass wir uns auf den Winter vorbereiten müssen. Klar, uns wärmen Kamin und Heizung. Doch wer wärmt unser Bio-Gemüse? Alle Kohlsorten lächeln. Sie freuen sich auf den ersten Frost. Da schmecken sie am besten. Rote Beete, Zwiebeln, Kürbis und Co. lächeln auch. Sie lagern bereits gemütlich im Naturkeller ein. Und für den Rest heißt es aufs Frühjahr warten.

Oder eben als Winter-Bio-Gemüse auf den Einzug in die neue Winterbehausung, die wir seit wenigen Tagen haben. Am Mittwoch und Donnerstag (14. und 15. Oktober) haben wir einen Folientunnel aufgebaut: 30 Meter lang, 8,50 Meter breit und 3,20 Meter hoch. Wir wurden schon gefragt, ob wir hier künftig das Oktoberfest stattfinden lassen. Weit gefehlt. Wolfgang Palme, Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau in Österreich betreibt Pionierarbeit mit Wintergemüse und einem großen Ziel: „Bislang gilt der Winter für den heimischen Gemüsebau als verlorene Jahreszeit. Die Frage, wie Gemüse auf energieextensive Art überwintern kann, steht also im Zentrum!“

Inspiriert von Pionieren im Winter-Bio-Gemüse

Neben Wolfgang Palme haben wir uns auch an Eliot Coleman und Jean-Martin Fortier orientiert. Diese beiden Wintergemüse-Pioniere haben in den USA bzw. Kanada noch herausfordernde Bedingungen als wir in der Oberen Mühle Wertach. Und doch liegen unsere 920 Höhenmeter sehr nah. Lange Zeit als Spinnerei abgetan, erobern die wiederentdeckten Methoden der Wintergärtnerei unserer Altvorderen auch in unseren Breiten Beete und Felder, Gartenprojekte und Forschungseinrichtungen. Dabei handelt es sich bei der Praxis schlicht darum, das ganze Jahr über köstliches Gemüse herzustellen. Genau das ist unser Ziel. Und so investierten wir in einen neuen „gebrauchten“ Folientunnel.

Erntedank

Dank an viele geschickte Hände – und eure gute Laune

Dank der großartigen Unterstützung von zwei professionellen Monteuren und sechs Gemüse- bzw. Mühlengartenfreunden haben wir den Fliclair Folientunnel Typ 850 aufgebaut. Wer gucken will, wie das geht, kann diesen Film anschauen:

Natürlich bedurfte es ein paar Vorarbeiten: Gelände angleichen, Boden ebnen, Drainage anlegen. Dazu hat Baggerfahrer Ludwig von der Firma Steinmüller Erdbewegungen rund um den Tunnel Lehmmulden geformt, in denen sich das Wasser sammeln kann. Dann Drainagerohre gelegt und die Mulden mit Kies aufgefüllt. So fließt das Regenwasser vom Folientunnel an beiden Seiten in die Drainage, wird mit einem rund eineinhalb Prozent Gefälle abgeführt und in Wassertanks aufgefangen. Die – unserem Gelände sei Dank – tiefer stehen als der Folientunnel. Spannend war dann die Verlegung des äußeren Bodengerüsts, das mit 65 bis 100 Zentimeter langen Erdankern im Boden befestigt werden musste. Darauf wurde Stange um Stange gesteckt bzw. gestöpselt. Und dann die Plane drauf.

Die Arbeit war anstrengend. Der Regen machte den Boden matschig, die Hände war nass und kalt. Doch genau diesen vielen geschickten Hände und die gute Laune ihrer Besitzer brachten ein großartiges Ergebnis. Ihr ward spitze, liebe Ute-Maria, Annette, Ina, Fini, Annan, Benny und Tobi. Zeitweise war auch Holger dabei.

Winter-Bio-Gemüse hat gut geschütztes Klima

In unserem Folientunnel finden ab sofort zum Beispiel Salate, Chiccoree, Endivien, Mangold, Porree, Jungzwiebeln und Kohl ein gut geschütztes Klima vor. Ja, in den Wintermonaten. Unbeheizt. Aber gut gelüftet. Denn Gemüse erfriert meist nicht, sondern verfault. Im Folienhaus werden organische, gehäckselte Materialien ausgebracht und mit Erde abgedeckt. In diesen Hügelbeeten entwickelt sich die Wärme gut. So können wir die Ernte verfrühen – und damit die Gemüsekisten unserer Gemüsefreundinnen und -freunde reichhaltiger füllen.

Laut Wolfgang Palme lohnt es sich aber nicht nur aus ökologischen Gründen, in der kalten Jahreszeit Gemüse anzubauen, sondern auch kulinarisch: Der Winter schmeckt süßer als der Sommer. Nachzulesen in diesem Artikel der Süddeutschen Zeitung vom Januar dieses Jahres. Und wenn man zudem die Berichte des Löwenzahn-Magazin liest, hat man gleich Lust, jetzt im Winter genau dorthin einen Ausflug zu unternehmen. Oder mal zu uns auf die Obere Mühle zu kommen.

Sobald der Boden etwas trockener ist, wird er mit der Fräse aufgelockert. Und dann kommen die neuen Pflänzchen , die wir gerade schon im Gewächshaus vorziehen, unter den Folientunnel. Zum Beispiel Spinat, Portulak bzw. Posteilein und Feldsalat. Das Gute: Dürfen sie so wachsen, schmecken sie intensiver, werden zarter, aromatischer und haben mehr Inhaltsstoffe. Winterkarotten schmecken karottiger, der Wintersalat ist knackiger und selbst in den kalten Monaten kommt das Winter-Bio-Gemüse erntefrisch auf den Teller und schmeckt durch das begrenzte Wachstum wie die köstliche Essenz seiner selbst.

Wir freuen uns darauf!!!

Herzlichst,
Eure Müllersleut

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